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Flüchtlingshilfe in Griechenland

Berichte über unsere Einsätze in Griechenland finden Sie in unserem Blog.

Situation in Griechenland im August/September 2016

Seit Schließung der griechisch-mazedonischen Grenze im Frühjahr 2016 werden allein etwa 27.000 Menschen mit vielen Frauen und Kindern in entwürdigenden Verhältnissen im Norden Griechenlands festgehalten. Nach Räumung des Grenzlagers bei Idomeni durch das griechische Militär im Juni wurden auch die, dort noch relativ gut von NGO’s, also nicht Regierungen zugehörigen Organisationen, sowie von den Flüchtlingen selbst organisierten Gruppen versorgten ca. 11.000 Menschen in Militärlagern untergebracht.

Ohne die anhaltende Hilfe der vielen, meist jungen, freiwilligen Menschen aus der ganzen Welt wäre die Situation der Menschen in den Lagern als katastrophal zu bezeichnen. Die NGO’s sorgen mit ihrem unermüdlichen Einsatz und ihren Spendengeldern für die Errichtung und den Unterhalt einer etwas menschenwürdigeren Infrastruktur. Aber weiterhin leben die Menschen auf engstem Raum, dicht beieinander, leiden im Sommer unter einer unerträglichen Hitze und demnächst wieder unter entsprechender Kälte. Sie bekommen ein Minimum an Nahrung vorgesetzt. So besteht das Frühstück aus einem industriell hergestellten Croissant, das Mittagessen aus einem trockenen “Sandwich ” mit einem Falafel und das Abendessen vielleicht aus einer kleinen Schale Kartoffeln oder trockenem Reis. Gemüse oder Obst gibt es kaum. Die meisten Menschen, vor allem Kinder und Schwangere leiden unter Vitaminmangelerscheinungen.
Sie können sich kaum ihre Mahlzeiten selbst zubereiten und werden auch sonst in jeder Hinsicht eingeschränkt.

Die Verurteilung zur Untätigkeit, ohne Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Situation wird zum Nährboden für Verzweiflung, Depressionen und immer wieder auch Aggressivität. Ohne eine Unterstützung der europäischen Regierungen sowie eine Unterstützung der Selbstorganisation der Menschen in den Lagern ist aber eine Verbesserung der Überlebenssituation dieser Opfer der Weltpolitik nicht denkbar.

Avicenna unterstützt die hier festgehaltenen oder freiwillig bleibenden Menschen aus den Krisenregionen immer wieder medizinisch, sowie mit Hilfe unserer Freunde vor Ort und befreundeten Organisationen auch mit sonstigen lebensnotwendigen bzw. das Leben erleichternden Hilfsmitteln.

Insbesondere unterstützen wir die Selbstorganisation der zu meist entmündeten und damit entwürdigten Menschen. Lesen Sie auch den hervorragenden Bericht von Ramona Lenz “Lager der gebrochenen Versprechen”.

 

Idomeni

Wir haben auch in Idomeni 2016 medizinische- und Sachhilfe geleistet. Berichte dazu findet man in unserem Blog. Idomeni wurde vor kurzem geräumt. Die Menschen sind jetzt in militärische Camps oder untergetaucht, um nicht in diese Camps zu müssen.

 

Insel Lesbos

Die griechische Insel Lesbos ist nur zehn Kilometer von der Türkei entfernt und war somit für sehr viele Flüchtlinge das erste Ziel auf dem Weg nach Europa. Meist hatten die Flüchtlinge eine lange Zeit der Entbehrungen und Gefahren hinter sich gebracht und kamen ausgehungert und durchnässt an.

Wir haben bei unseren Aufenthalten dort unsere Sprachkenntnisse mit persönlicher und medizinischer Hilfe sowie der Organisation und Verteilung von Nahrung, Kleidung, Decken, Medikamenten etc. verbinden können.

Ende 2015 und Anfang 2016 hatten die meist von freiwilligen jungen Helfern aus der ganzen Welt organisierten Hilfsgruppen den Ankommenden eine Basisversorgung mit trockenen Kleidern, Essen, Decken und Medizin angeboten. Schwierig war immer  die Versorgung im v.a. mit afghanischen Flüchtlingen gefülltem Hauptcamp Moria.

Die Situation wechselte, je nach Zustrom an Flüchtlingen täglich. So waren am 23.11.2015 alle Lager leer und am 24.11. kamen wieder 50 Boote, also etwa 2500 Menschen an. Dies lag zum Teil an der oft stürmischen See und z.T. an der politischen Situation zwischen EU und Türkei.

Bei mehrfachem Aufenthalt auf der Insel Lesbos im Herbst und Winter 2015 haben wir alleine und in Zusammenarbeit mit vorhandenen Hilfsgruppen, speziell auch der Light house Gruppe, Pikpa, Eric und Philipa, den Grünhelmen sowie in dem Medicomobil der Adventisten  persönliche und materielle Hilfe geleistet. Hier ist die Dokumentation “Helfer der Gestrandeten” in der Reihe “Menschen hautnah” von Julia Horn entstanden.

Dies waren die Verhältnisse in Herbst 2015:

  • Der beste Fall: Ein Boot kommt tagsüber unversehrt an.
  • Fast immer werden aber die Boote gewaltsam überladen. Die Menschen müssen ihre Habseligkeiten über Bord werfen und kommen verängstigt und durchnässt an. Inzwischen fast nur noch nachts, trotz gefährlich rauer See.
  • Diese haben es geschafft. Die meisten landen inzwischen in überfüllten und unterversorgten türkischen Lagern und werden zurückgeschickt.
  • Erste medizinische Versorgungsstelle
  • Warten auf die Registrierung in Moria
  • Schlafen außerhalb von Moria, noch ohne Regen
  • Warten auf die Fähre nach Athen
    Warten auf die Fähre nach Athen

 

Die Verhältnisse im April 2016 haben sich auf Grund der europäisch-türkischen Abkommen radikal geändert. Es kommen kaum noch Flüchtlinge auf der Insel an. Die vorhandenen werden zum großen Teil in Moria gefängnisartig festgehalten. Sowohl ihr Schicksal, als auch das derjenigen, die in der Türkei verbleiben, ist ungewiss.

 

Insel Chios

Auf Chios haben wir Weihnachten 2015 in Zusammenarbeit mit den lokalen Gruppen vorwiegend medizinische Hilfe geleistet.

In Megas Limnionas arbeiten die einheimischen Gruppen eng zusammen mit internationalen Hilfsorganisationen, wie der norwegischen Gruppe “drop in the ocean” und den spanischen Wasserrettungshelfern.

Die medizinische und materielle Versorgung in der Registierungsstelle Tabakia und dem Hauptcamp Souda wurde u.a. von der spanischen “Cruz Roja” und “WAHA” sowie vielen einzelnen Freiwilligen gewährleistet.
Der große Hotspot auf Chios wird inzwischen (April 2016) jedoch von den Einheimischen nur noch Knast genannt und man hat kaum eine Chance dort hinein zu kommen. Die großen Organisationen versorgen diese Menschen nicht mehr, weil ein Paragraph in ihrer Satzung sagt, dass sie in “geschlossenen Einrichtungen” nicht helfen dürfen. Dort fehlt es wohl sogar an Babynahrung.

Es gibt noch 2 andere Camps wo es wohl aktuell im April 2016 kein Problem ist hinein zu kommen.

 

by AVICENNA Kultur- und Hilfswerk e.V.