Bei meinem ersten Aufenthalt 2015/16 in der Türkei war ich das erste Mal mit Bita und Khalil Kermani unterwegs. Beide sind Ärzte und wir haben uns hauptsächlich um gesundheitliche Belange der Geflüchteten gekümmert. Wir haben einen Tisch aus dem Sperrmüll gezogen, den mit in die Camps genommen und darauf unser „Sprechzimmer“ eingerichtet. Es wurden Wunden versorgt, schmerzende Stellen untersucht und Medikamente für alles Erdenkliche ausgegeben. Auch bei meinen weiteren Aufenthalten war das ein Schwerpunkt. Auch wenn ich mal keine Ärzte an meiner Seite hatte, versorgte ich die Menschen so gut wie ich es wußte und konnte.

Hier gibt es im Camp einen Arzt, 2 Hebammen und auch eine Krankenschwester. Die Geflüchteten können ins Krankenhaus und werden dort versorgt, für Medikamente müssen sie selber aufkommen. Da wir nicht ins Camp dürfen, bringen die Menschen ihre Rezepte ins Casa Base. Maria holt in jeder Mittagspause die Medikamente in einer Apotheke ab. Für die Kosten kommt unter anderem seit Jahren Avicenna auf. Alles was ich tun kann, ist im Medikamentenschrank im Casa Base zu schauen, ob das was benötigt wird, vielleicht dort zu finden ist…

Mit unter den Volunteers sind unter anderem eine Hebamme und eine weitere Krankenschwester. Gerne würden wir mehr tun, aber uns sind die Hände gebunden. Wir hatten ein kurzes Gespräch mit einer Hebamme aus dem Camp, bei dem rauszuhören war, dass sie viel zu tun haben. Aber dass wir bitte keine Sprechstunden abhalten sollen, damit nicht doppelt behandelt wird. Ich weiß, dass gerade Schmerzmittel gerne genommen werden, und verstehe natürlich die Problematik, wenn sie aus 2 Quellen Medikamente erhalten.

Aber dann sitzt eine Frau aus Somalia vor mir, die einen Wirbelbruch hat. Sie trägt ein Korsett und als ich sie mit in den ersten Stock ins Behandlungszimmer nehme, kommt sie kaum die Treppen hoch und als sie wieder runter muss, macht sie das im Sitzen. Ich habe ihr natürlich eine Schmerzsalbe aus dem Vorrat gegeben. Das kann ich guten Gewissens. Ich habe sie mit ihren Tüten bis zum Eingang des Camps begleitet.

Bita hat mir Bilder von ihrem letzten Aufenthalt geschickt und mir erzählt, dass sie mit Maurizio damals jeden Tag in die verschiedenen Camps gefahren sind. Er hatte gute Beziehung zu allen, kannte jeden. Und so sind sie mit 2 Auto´s dort rein, haben ihre Sachen ausgepackt und losgelegt. Sie waren auch einige Male bei einem Camp wo die Flüchtlinge, die an der Grenze zusammengeschlagen wurden, ankamen. Beim letzten Mal durften sie dann auch nicht mehr rein. Sie sind dann ein Stück weiter gefahren und haben ihren Tisch am Waldrand aufgestellt und Wunden versorgt, Maurizio hat solang Wache gestanden… Hier ein paar Eindrücke ihrer Arbeit…

Wir sind in Kontakt, ich kann sie jederzeit anrufen. Sie haben auch gesagt, dass sie kommen, wenn sie gebraucht werden… Das wäre grundsätzlich immer der Fall, aber da es Maurizio nicht mehr gibt, ist es schwierig geworden…

Ruth, die deutsche Hebamme, bietet den Schwangeren und Müttern ihr Wissen an…

und der Rest von uns…

Ich wurde losgeschickt, Kinderwägen aus einem Lagerhaus zu holen. IHA nennt sich das, sie nehmen Spenden, die aus dem Ausland kommen an und verteilen sie dann an die Camps weiter. Mit meinem Panda war das eine Herausforderung, aber…

wer sagt´s, 2 Kinderwägen und 4 Buggy´s passen rein. Aber, mal wieder typisch, als ich fertig war konnte ich meinen Autoschlüssel nirgends finden. Das hieß, alles nochmal raus, da lag er dann auch unter der umgeklappten Rückbank.
Und kaum hatte ich die Kinderwägen am Casa Base ausgeladen, wurden 3 davon sofort mit Kindern beladen.

Beim Lager aufräumen, haben wir Nagellack gefunden. Wie haben sich die Frauen gefreut!

Und wenn auch sowas die Menschen glücklich macht, dann ist doch alles gut!

Natascha Köhler