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Flüchtlingshilfe in der Türkei

Mehr über unsere Einsätze in der Türkei erfahren Sie in unserem Blog.

Torbali 2016/2017

Etwa 130 km von Çeşme und 40 km südlich von Izmir, in Torbali, leben viele Tausend syrische Flüchtlinge in einfachsten Verhältnissen in Zeltlagern. Bei unserem ersten Besuch Ende 2015 konnten wir zunächst ein kleineres Lager mit achtundzwanzig Familien finden. Sie waren in zwei Lagerhäusern untergebracht. Hier konnten wir regelmäßig medizinische Hilfe leisten und die Menschen mit Nahrung etc. unterstützen. Am letzten Tag unseres ersten Aufenthaltes erfuhren wir von zwei großen Camps, in dem ca. 500 bzw. 1.000 Menschen leben. Wir verschickten Fotos und Hilfegesuche an verschiedene Hilfsorganisationen. In der Folge gab es eine Unterstützung von verschiedenen Hilfsgruppen, wie İmece İnisiyatifi Çeşme.

Zusammen mit unserer Freundin Iris Paul aus Çesme leistet Avicenna regelmäßig Hilfe durch Versorgung mit Lebensmitteln und Hilfsgütern. Wir konnten auch mehrfach die Camps medizinisch versorgen.

Die Lage hat sich seit dem europäisch-türkischen Abkommen auch in der Türkei radikal geändert. In Çeşme gibt es so gut wie keine Flüchtlinge mehr und die Zahl der Camps in der Umgebung von Torbali ist zum Jahresende 2016 auf über 45 gestiegen. Bei unserem Besuch Ende 2016 haben wir das erste Schulprojekt für Torbali eingeleitet.

 

Über die türkische Grenze nach Syrien /2016

Zwischenzeitlich haben wir über syrische Freunde von der türkischen Seite aus direkt in Syrien helfen können, wo eine Entspannung der katastrophalen Lage leider nicht in Aussicht ist. In einem Lager unweit der türkischen Grenze leben mehr als eine halbe Millionen Menschen in Zeltlagern. Wir konnten Hilfstransporte sowohl in die grenznahen Lager als auch nach Aleppo unterstützen.

 

Osttürkei / 2016 bis Frühjahr 2017

Avicenna hat für die syrischen Flüchtlinge in der Osttürkei bis Frühjahr 2017 in Zusammenarbeit mit einem syrischen Helfer Nahrungsmittel, Zelte, etc. organisiert. In etwa vier bis sechswöchigem Abstand sind Bita und Khalil Kermani mit Freunden sowie auch eine befreundete deutsche Ärztin dort medizinisch tätig gewesen. Wir verteilten in großen Mengen Lebensmittel und andere Hilfsgüter und  es wurde ein Schulprojekt von uns gegründet.

Die Unterstützung in der Osttürkei wird jetzt von den Organisationen „Khalsa Aid“ und „3 Musketiere“ fortgesetzt und so kann sich Avicenna wieder auf die Hilfe in der Westtürkei konzentrieren.

 

Çeşme – Herbst und Winter 2015/2016 :

In der Nähe von Çeşme warteten die Menschen je nach Wetterlage und Kontrollen der türkischen Küstenwache manchmal zehn bis zwanzig Tage auf die oft lebensgefährliche Überfahrt in überfüllten Schlauchbooten zur nur acht Kilometer entfernten, griechischen Insel Chios. Nach vier Stunden Fußmarsch von der Bushaltestelle zum „Schmugglercamp“ wurden sie bis Anfang 2016 familien- und gruppenweise in völlig verdreckten Bauruinen auf einem Müllhalde ähnlichem Grundstück am Ufer gegenüber von Chios untergebracht.

Wir haben im Dezember 2015 und Januar 2016 als erste Ärzte die medizinische Versorgung von bisweilen über Tausend, vorwiegend afghanischer Flüchtlinge übernommen und auch versucht, ihre Unterbringung ein wenig menschenwürdiger zu machen. Natascha Köhler, Intensivkrankenschwester aus Ravensburg und Iris Paul aus Çeşme haben uns dabei wunderbar geholfen.

Iris kümmerte sich danach auch als ständige Kontaktperson von Avicenna in Zusammenarbeit mit der einheimischen Hilfsgruppe Imece um die Betreuung der Flüchtlinge dort und hat als Webdesignerin dankenswerter Weise die professionelle Aufarbeitung unserer Webseite übernommen.

Im Januar wurde das Gelände von der Polizei geräumt und der Zugang abgesperrt. Danach warteten die Menschen auf ihre Überfahrt nach Chios teilweise in Pensionen, oft zehn bis zwölf Personen in einem Zweibettzimmer. Die Einheimischen, insbesondere Ali und die Gruppe İmece İnisiyatifi Çeşme versorgten weiterhin täglich die Menschen dort mit Nahrung und Kleidung. Wir haben viele Kinder mit hoch fieberhaften Infekten tagsüber auf Parkbänken gefunden. Die medizinische Versorgung in Çeşme wurde  zwischenzeitlich auch von freiwilligen Krankenschwestern und Medizinstudenten übernommen. Bei Notfällen organisierte das Team von Imece eine kostenlose Behandlung im Krankenhaus.

Wir hatten den großen Vorteil, dass unsere Muttersprache farsi dem afghanischen dari  sehr verwandt ist und so eine Verständigung möglich war. Es ist den Menschen auf dem Weg so wichtig ihre hoffnungslose Lage mit zu teilen.

ARD-Mittagsmagazin (Ein Bericht über die Situation und unseren Einsatz in Çeşme zum Jahreswechsel 2015/2016)

cesme

von li nach re Kimia, Nathan, Bita, Natasha, Iris

by AVICENNA Kultur- und Hilfswerk e.V.