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Flüchtlingshilfe in Griechenland

Berichte über unsere Einsätze in Griechenland finden Sie in unserem Blog.

Griechenland im Herbst 2018

Während die Medien in Europa immer seltener über die Lage der Flüchtlinge berichten, fliehen immer noch viele aus ihrer Heimat oder warten verzweifelt darauf, ihren Weg fortsetzen zu können. Die Überwindung der europäischen Grenzen und behördlichen Hindernisse ist schwieriger und teurer geworden, daher kommen viele nicht weiter als Türkei, Griechenland und Italien. Seit Abschluss des EU-Türkei-Abkommens im März 2016 bis Anfang Januar 2018  zitiert die Welt offizielle griechische Quellen, kamen insgesamt 62.190 Migranten aus der Türkei auf die griechischen Inseln. Etwa 45 Prozent von ihnen, 27.635 Menschen wurden im gleichen Zeitraum auf das griechischen Festland gebracht. Aber trotz der sehr schlechten Bedingungen in den Lagern auf den griechischen Inseln und der fehlenden Aussicht auf eine Weiterreise überwiegt der Zustrom an Menschen, die die Fahrt über das Meer wagen, die Anzahl der zum Festland geführten.
Zwischen dem 1. Mai und Ende August diesen Jahres waren es 3.950 Menschen. Im gleichen Zeitraum seien aber 5450 neue Migranten aus der Türkei angekommen.

Moria

Seit unseren vorausgegangen Begegnungen mit dem größten Aufnahmelager der griechischen Inseln, Moria auf Lesbos, hat sich auch laut Unicef die Lage weiter dramatisiert: „Schätzungsweise 80 Prozent der gegenwärtig rund 20.500 Flüchtlinge und Migranten auf den griechischen Inseln – darunter über 5.000 Kinder – sind in unhygienischen, überfüllten Aufnahme- und Registrierungszentren untergebracht“, heißt es. “Im Camp Moria, das für rund 2.230 Personen ausgerichtet ist, hausen gegenwärtig fast 9.000 Migranten. In einigen Fällen müssen sich 70 Menschen eine „Toilette“ teilen”.

Festland

Athen sei Mafiagebiet, hören wir immer wieder. So wie in Italien profitieren auch in Griechenland am meisten die Schlepper von der Abschottung der Grenzen. Wir planen daher nur noch unabhängig lebenden Menschen in kleineren Unterkünften zu helfen. In der Umgebung von Thessaloniki helfen wir im Zeltlager Vagiochori, in dem zum Herbstanfang 320 Personen in 75 Zelten leben. Hier begegnen wir vor allem Kurden, Afghanen und Iranern. Durch die Abschaffung der Visapflicht für Serbien kommen jetzt immer mehr Iraner über Serbien nach Griechenland, genötigt auch durch die Wirtschaftskrise, seit dem von Amerika wieder aufgezwungenem Wirtschaftsboykott.

Situation in Griechenland

Nach Schließung der griechisch-mazedonischen Grenze im Frühjahr 2016 verblieben allein in der Grenzregion zu Mazedonien im Nordwesten Griechenlands etwa 27.000 Menschen mit vielen Frauen und Kindern in entwürdigenden Verhältnissen. Nach Räumung des Grenzlagers bei Idomeni durch das griechische Militär im Juni wurden auch die, dort noch relativ gut von NGO’s, also nicht Regierungen zugehörigen Organisationen, sowie von den Flüchtlingen selbst organisierten Gruppen versorgten ca. 11.000 Menschen in Militärlagern in der Umgebung von Thessaloniki untergebracht.

Ohne die anhaltende Hilfe der vielen, meist jungen, freiwilligen Menschen aus der ganzen Welt wäre die Situation der Menschen in den Lagern als katastrophal zu bezeichnen. Die NGO’s sorgten mit ihrem unermüdlichen Einsatz und ihren Spendengeldern für die Errichtung und den Unterhalt einer etwas menschenwürdigeren Infrastruktur. Aber weiterhin lebten die Menschen auf engstem Raum, dicht beieinander, litten unter Hunger und der feuchten Kälte und bekamen ein Minimum an Nahrung vorgesetzt.

Nach Räumung der Militärlager verteilten sich die meisten Menschen auf leerstehende Häuser, Baracken und kleinere Lager.

Die anhaltende Verurteilung zur Untätigkeit, ohne Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Situation wird zum Nährboden für Verzweiflung, Depressionen und immer wieder auch Aggressivität. Ohne eine Unterstützung der europäischen Regierungen ist eine Verbesserung der Überlebenssituation dieser Opfer der Weltpolitik nicht denkbar.

Avicenna unterstützte immer wieder die hier festgehaltenen oder freiwillig bleibenden Menschen aus den Krisenregionen immer wieder medizinisch, sowie mit Hilfe unserer Freunde vor Ort und befreundeten Organisationen auch mit sonstigen lebensnotwendigen bzw. das Leben erleichternden Hilfsmitteln.

Insbesondere unterstützen wir die Selbstorganisation der zu meist entmündeten und damit entwürdigten Menschen. Lesen Sie auch den hervorragenden Bericht von Ramona Lenz „Lager der gebrochenen Versprechen“.

Idomeni

Wir haben auch in Idomeni 2016 medizinische- und Sachhilfe geleistet. Berichte dazu findet man in unserem Blog.

Insel Chios

Auf Chios haben wir Weihnachten 2015 in Zusammenarbeit mit den lokalen Gruppen vorwiegend medizinische Hilfe geleistet.

In Megas Limnionas arbeiten die einheimischen Gruppen eng zusammen mit internationalen Hilfsorganisationen, wie der norwegischen Gruppe „drop in the ocean“ und den spanischen Wasserrettungshelfern.

Die medizinische und materielle Versorgung in der Registierungsstelle Tabakia und dem Hauptcamp Souda wurde u.a. von der spanischen „Cruz Roja“ und „WAHA“ sowie vielen einzelnen Freiwilligen gewährleistet.
Der große Hotspot auf Chios wurde im April 2016 von den Einheimischen nur noch Knast genannt und man hatte kaum eine Chance dort hinein zu kommen. Die großen Organisationen versorgen diese Menschen nicht mehr, weil ein Paragraph in ihrer Satzung sagt, dass sie in „geschlossenen Einrichtungen“ nicht helfen dürfen.

Insel Lesbos

Die griechische Insel Lesbos ist nur zehn Kilometer von der Türkei entfernt und war somit für sehr viele Flüchtlinge das erste Ziel auf dem Weg nach Europa. Meist hatten die Flüchtlinge eine lange Zeit der Entbehrungen und Gefahren hinter sich gebracht und kamen ausgehungert und durchnässt an.

Wir haben bei unseren Aufenthalten dort unsere Sprachkenntnisse mit persönlicher und medizinischer Hilfe sowie der Organisation und Verteilung von Nahrung, Kleidung, Decken, Medikamenten etc. verbinden können. Die Situation wechselte, je nach Zustrom an Flüchtlingen täglich. Bei mehrfachem Aufenthalt auf der Insel Lesbos  haben wir alleine und in Zusammenarbeit mit vorhandenen Hilfsgruppen, speziell auch der Light house Gruppe, Pikpa, Eric und Philipa, den Grünhelmen sowie in dem Medicomobil der Adventisten  persönliche und materielle Hilfe geleistet. Hier ist die Dokumentation “Helfer der Gestrandeten” in der Reihe “Menschen hautnah” von Julia Horn entstanden. Näheres dazu finden Sie auf unseren Blogberichten. Dies waren die Verhältnisse in Herbst 2015

  • Der beste Fall: Ein Boot kommt tagsüber unversehrt an.
  • Fast immer werden aber die Boote gewaltsam überladen. Die Menschen müssen ihre Habseligkeiten über Bord werfen und kommen verängstigt und durchnässt an. Inzwischen fast nur noch nachts, trotz gefährlich rauer See.
  • Diese haben es geschafft. Die meisten landen inzwischen in überfüllten und unterversorgten türkischen Lagern und werden zurückgeschickt.
  • Erste medizinische Versorgungsstelle
  • Warten auf die Registrierung in Moria
  • Schlafen ausserhalb von Moria, noch ohne Regen
  • Warten auf die Fähre nach Athen
    Warten auf die Fähre nach Athen

Während anfangs die meist von freiwilligen jungen Helfern aus der ganzen Welt organisierten Hilfsgruppen den Ankommenden eine Basisversorgung mit trockenen Kleidern, Essen, Decken und Medizin anboten, konzentriert sich die Hilfe jetzt auf  die Versorgung im v.a. mit afghanischen Flüchtlingen gefülltem Hauptcamp Moria.

Seit dem europäisch-türkischen Abkommen füllt sich dieses Camp ständig an, da immer weniger Flüchtlinge die Insel verlassen können und trotz der unmenschlichen Verhältnisse in Moria und den anderen Lagern und der fehlenden Aussicht auf eine Fortsetzung ihrer Flucht, immer wieder Menschen die gefährliche Überfahrt von der Türkei wagen.

Um einen Eindruck der Lage im Herbst 2017 wiederzugeben, geben wir hier eine Zusammenfassung eines Monitorberichtes von Shafagh Laghai vom 30.11.2017 wieder:

„Lesbos
Flüchtlingslager Moria: Elend zur Abschreckung.

Eigentlich ist Moria für 2000 Menschen gemacht. Doch zurzeit leben 6500 dort, darunter viele Frauen und Kinder. Weil es keinen Platz mehr in den Containern gibt, wohnen Tausende Menschen in kleinen Sommerzelten, zu sechs bis acht Menschen pro Zelt. Vier unerträglich verschmutze Container mit Toiletten gibt es und einige, ebenso verschmutzte Duschen mit kaltem Wasser. Wasser gibt es ansonsten nur vier Stunden am Tag. Für das immer gleiche Essen mit meist nicht ungekochtem Reis steht man stundenlang, oft bei Regen und Temperaturen unter 10 Grad, die Kinder oft ohne Jacken, in der Schlange. Es fehlt nicht nur an Platz, Hygiene, Essen und Kleidung, auch an Ärzten, an Hilfskräften, und an Beamten zur Bearbeitung der Asylanträge fehlt es und vor Allem fehlt es an Aussicht auf Veränderungen, an Hoffnung. Nur an Verzweiflung fehlt es nicht. Aber diese ist Teil des europäischen Plans, damit nicht noch mehr kommen. Trotzdem kommen täglich weitere Boote an, denn die Verzweiflung herrscht weiter jenseits der Grenzen Europas. Von sechs bis sieben Selbstmordversuchen pro Woche spricht ein Bericht der „Ärzte ohne Grenzen“, die sich aus Protest gegen die Zustimmung der EU zu solchen Zuständen vorübergehend zurück gezogen hatten.“

Im Herbst 2018 leben in Moria, das für ca. 2.200 Personen ausgerichtet ist,  fast 9.000 Menschen.

Avicenna unterstützt weiterhin dort aktive NGO´s und plant weitere Einsätze Vorort.

 

 

by AVICENNA Kultur- und Hilfswerk e.V.