|

Idomeni im Juni 2016

Ein Bericht unserer Freundin Eva Baehren, die seit drei Monaten in Idomeni hilft und von Avicenna unterstützt wird.

Idomeni ist inzwischen plattgewalzt und leer.
In den ‚wilden‘ Camps in der Umgebung verstecken sich noch etwa 3000 Menschen, um nicht in ein Militärlager transportiert zu werden. Denn dort ist die Versorgung katastrophal und es gibt keine Aussicht, weiter zu kommen. Sowohl in den wilden Camps, als auch in den weit auseinander liegenden Militärcamps zwischen Polykastro und Thessaloniki fehlt es ständig an allem, obwohl die freiwilligen Helfer sich Tag und Nacht bemühen. Manchmal dürfen die Helfer in die offiziellen Camps und manchmal nicht.

Die Menschen rufen nach Zelten, Essen und Wasser, aber brauchen natürlich noch vieles andere. Ausser morgens und abends ein weiches Brötchen und mittags etwas Kartoffeln mit Soße oder ähnliches und pro Baby eine Pampers am Tag gibt es kaum etwas. Gekocht wird immer noch auf dem hinteren Teil vom Parkhotel. Das Warehouse mit den Sachspenden ist ebenfalls noch in Polykastro.

Tagsüber sind es 35 Grad im Schatten, den es jedoch kaum gibt, in den Zelten gefühlte 50 Grad. Nachts wird es richtig kalt. Immer wieder beschämen und beglücken uns die Menschen mit ihrer Geduld und Freundlichkeit, scherzen und lachen mit uns und bieten uns wiederum ihre Hilfe an.

Seit gestern hat mich das Militär des Camps verwiesen. Ich darf es nicht mehr betreten, darf die seit Wochen betreuten Familien nicht mehr besuchen. Die, die mir ihr Vertrauen entgegenbrachten, mir von den grossen und kleinen Sorgen erzählten, mich um kleine Alltagsdinge fragten, wie ein Spiegel, Kamm, Kaffee, ein neues Kopftuch, mich immer einluden zu Tee, Kaffee und zuletzt ‚bitte schlaf bei uns, bitte schlaf bei uns‘. Ich hoffte, ihnen mit kleinen Gesten auf Augenhöhe (nicht ich, die immer Gebende und sie, die immer Nehmenden) ein Gefühl des Menschseins, des normalen Miteinanders zwischen Menschen zu geben. Und ich glaube, dass es mir gelungen ist, ihnen das Gefühl zurückzugeben, sie sind Menschen, mit denen man lachen, weinen, zanken kann. Eben Menschen!

Aus und vorbei. Das Militär hat die Hoheit! Ich bin ohnmächtig vor Zorn und will, dass ihr überall darüber sprecht, was jetzt mit den Menschen aus Idomeni geschieht. Ihr DÜRFT DIE FRAUEN UND KINDER, DIE TEENIES UND MÄNNER AUS IDOMENI NICHT VERGESSEN, auch wenn Eure Zeitungen und Nachrichten weniger und weniger darüber berichten!!!

Ähnliche Beiträge

  • |

    Lebensmittel für Torbali

    Lebensmittel für Torbali Mit Hilfe von Spendengeldern war es uns möglich, die Menschen in Torbali wieder mit Lebensmitteln zu versorgen. Iris Paul, unsere Ansprechpartnerin aus Çeşme, hat dies für uns übernommen. Hier ist ihr Bericht: Gemeinsam mit Mehmet aus Izmir, der mich als Übersetzer unterstützt hat, war ich am 23.01.2016 in Torbali und habe allen…

  • |

    Iftar Essen in Torbali

    Iftar Essen Bedeutung: Während des islamischen Fastenmonats Ramadan dürfen Muslime von Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nichts zu sich nehmen. Erst am Abend darf wieder gegessen werden, was traditionell als Fastenbrechen, genannt „Iftar“, zelebriert wird. Zafer Ertem hat für die syrischen Flüchtlinge rund um Torbali an drei Abenden (25.-27.06.2016) so ein Iftar Essen organisiert….

  • |

    Schule auf Lesbos

    Von den über 18.000 Flüchtlingen in und um das Aufnahmelager Moria auf Lesbos sind über 4.000 Kinder. In Zusammenarbeit mit “Stand by me Lesvos” und “Wadi e.V. “finanzieren wir jetzt für 100 Kinder und Frauen einen Schulunterricht. Die Klassenräume befinden sich 800 Meter vom Aufnahmelager Moria entfernt. Die älteren Kinder können selbstständig und die Jüngeren…

  • |

    Casa Base

    Casa Base Jungendzentrum für Mädchen Ein sicherer Ort „Wenn die kleine Sara nochmal das Teil vom Wasserschlauch klaut, dann schneide ich ihre Hände ab.“ stellt Mauricio im Vorbeigehen fest. Das ist Liebe, denke ich mir grinsend. Ich beobachte ihn, während er kopfschüttelnd den Garten absucht. Wie idyllisch diese paar Quadratmeter hinter der Fabrikhalle, die Mauricio…

  • |

    Athen im März 2018

    Athen im März 2018 – Bita und Khalil waren vor Ort Im Stadtteil der „Anarchisten“ in Athen leben zu Beginn des Frühlings 2018 etwa 3.200 nicht registrierte Flüchtlinge aus Afghanistan, dem Nahen Osten und Afrika in etwa zwanzig Unterkünften. Staatliche Hilfe, in Form einer kostenlosen medizinischen Versorgung oder einem Taschengeld von 100 Euro im Monat…

  • |

    Versorgung in Torbali

    Neuigkeiten aus Torbali vom 14.10.2016 Im Gepäck hatte ich Winterjacken und Shirts für die Frauen in dem kleinen Camp, aber auch Lebensmittel (Reis, Bohnen etc.). Die Freude über die mitgebrachten Sachen war bei allen groß und alles wurde gleich anprobiert. Inzwischen haben wir zu allen Menschen in dem Camp ein enges Verhältnis aufgebaut und mir…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert