|

Athen im Winter 2018

Im Exarchion Park im Anarchistenviertel Athens brennt Tag und Nacht das Feuer, an dem sich die jungen Männer, die auf ihrem Weg nach Europa hier hängen geblieben sind, etwas aufwärmen. Frauen und Kinder sieht man kaum. Sie verbringen die meiste Zeit in den Unterkünften und wenn es keine Heizung gibt, unter der Decke. Zehn Unterkünfte, sogenannte Squads, gibt es zur Zeit hier im Viertel und etwa 1.000 Menschen leben darin.

Eine ist erst vor kurzem dazu gekommen und Farzad, ein Iraner, selbst ein Flüchtling, der in kurzer Zeit griechisch gelernt hat und einen Falafelstand betreibt, kümmert sich um das Haus und seine Bewohner. Farzad rief uns vor einer Woche an, mit der Bitte um Hilfe. Unsere Telefonnummer hatte er von einem jungen Syrer, der inzwischen in Holland studiert und regelmäßig nach Athen kommt, um zu helfen. NGO’s sind selten geworden und dürfen sich gemäß einer Übereinkunft mit den überforderten Einheimischen auch nicht mehr als solche zeigen und für diese neue Unterkunft fehle jede Unterstützung. Es ist ein zuvor leer stehendes Bürogebäude mit fünf Etagen für die über hundert überwiegend Frauen und Kinder.

Die Zimmer bestehen aus mit Bettlaken abgetrennten Einheiten, in denen gerade genug Platz ist für die dünnen Matratzen, die ein Nachbar gestiftet hat. Stolz zeigen die Bewohner die Dusche, die sie in einer kleinen Toilette eingebaut haben. Am Spülstein der anderen Toilette werden Kleider gewaschen und Geschirr gespült. Die Kinder scheinen sich trotzdem wohl zu fühlen. Sie freuen sich über die vielen Spielsachen, welche die Apothekerin gespendet hat, bei der wir unsere Medikamente kaufen, wie immer vor allem gegen Erkältungen und Schmerzen.

Es ist 22 Uhr und wir warten auf den LKW, der die beiden Kühlschränke, Waschmaschinen und Herde und die fünf Heizungen, für jede Etage eine, bringen wollte, die wir gestern gekauft haben. Mit ihren ebenfalls neuen Wischeimern aus dem Bazar kippen sie schon die ganze Zeit das Wasser in den Rinnstein, mit dem sie endlich die Zimmer richtig putzen konnten. Alle warten darauf, mit den neuen Herden und den neuen Lebensmittelvorräten in der improvisierten Küche zu kochen.

Und alle freuen sich auf unsere Freundin und bewährte Helferin Natascha, die Krankenschwester aus Süddeuschland. Sie hat sich gestern auf unseren Anruf hin spontan entschlossen, ihre Weihnachtsfeiern hier zu verbringen, um dann in allen Squads die Arbeit von Avicenna fortsetzen zu können.

 

Ähnliche Beiträge

  • |

    Casa Base

    Casa Base Jungendzentrum für Mädchen Ein sicherer Ort „Wenn die kleine Sara nochmal das Teil vom Wasserschlauch klaut, dann schneide ich ihre Hände ab.“ stellt Mauricio im Vorbeigehen fest. Das ist Liebe, denke ich mir grinsend. Ich beobachte ihn, während er kopfschüttelnd den Garten absucht. Wie idyllisch diese paar Quadratmeter hinter der Fabrikhalle, die Mauricio…

  • |

    Idomeni aktuell

    Ein Beitrag von Eva Beehren, die uns bei unserem letzten Aufenthalt in Idomeni begleitet und geholfen hat und dort auch weiter hilft. “Es sind noch ca. 10.000 Menschen in Idomeni. Doch seit Sonntag, den 10. April mehren sich die Vorfälle, die Hunderte von Menschen auch weggehen lassen in die anderen Camps, vom Militär betriebene. Es…

  • |

    Aktuelles aus Thessaloniki

    Ein Bericht von Maurizio (QRS) und Dorothea (Naomi) über die medizinische Versorgung des Diavata Camps in Thessaloniki In den letzten Monaten hat Maurizio 6 Tage die Woche mit 2 Ärzteteams gearbeitet. 2 Ärzte kommen vom MVI und 2 Mitarbeiter, eine Krankenschwester und eine Hebamme, kommen von QRt-Freiwilligen. Jeden Donnerstagnachmittag sind auch 2 Ärzte der NGO…

  • |

    Idomeni im Juni 2016

    Ein Bericht unserer Freundin Eva Baehren, die seit drei Monaten in Idomeni hilft und von Avicenna unterstützt wird. Idomeni ist inzwischen plattgewalzt und leer. In den ‚wilden‘ Camps in der Umgebung verstecken sich noch etwa 3000 Menschen, um nicht in ein Militärlager transportiert zu werden. Denn dort ist die Versorgung katastrophal und es gibt keine…

  • |

    Hilfe für Lesbos

    Hilfe für Lesbos – Ein Aufruf aus Moria Der Coronavirus bedroht das Leben der Schwächsten. Der Coronavirus hat uns alle auf viele verschiedene Arten beeinflusst. Wenn sich unser Leben wieder normalisiert und Restaurants und Grenzen wieder für Reisen geöffnet werden, verstärken sich die negativen Auswirkungen für die Flüchtlinge: • Jeder dritte Flüchtling auf Lesbos hatte…

  • |

    Die fünfte Schule

    Die fünfte Schule Athen In Athen warten viele Tausend Menschen auf eine Fortsetzung ihrer Flucht in die Freiheit. Damit sie nicht in Griechenland bleiben müssen, haben sich viele nicht offiziell registrieren lassen und bekommen somit auch keine staatliche Unterstützung. In einer ehemaligen Schule leben einige hundert Menschen mit Frauen und Kindern. Es gibt kein Wasser…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert